Der Scheunenplatz

Die historischen Längsfahrtscheunen

In den historischen Längsfahrtscheunen im Scheunenviertel lagerte noch bis in die fünfziger, sechziger Jahre das „Vermögen“ der landwirtschaftlichen Betriebe Steinhudes. Die Scheunen hatten die Aufgabe, ihren wertvollen Inhalt – Getreide, Stroh und Heu – gegen unberechtigten Zugriff, Feuer und gegen die Unbilden der Witterung zu schützen.

Früher erfolgte die Ernte von Getreide und Heu anders als heute. Die Getreidefelder wurden abgeerntet, das ungedroschene Getreide auf dem Halm in „Hocken“ zum Trocknen aufgestellt und später eingefahren. Heu konnte in guten Jahren zweimal nach dem Vortrocknen auf der Wiese eingebracht werden. Das Heu durfte beim Einbringen nicht nass sein. Es sicherte, wie das Getreide das Überleben der Bevölkerung, das Überleben des Viehs im Winter.

Die Längsfahrtscheunen sind architektonisch aus dem niederdeutschen Hallenhaus entwickelt worden. Neben der „Groot Dör“, dem großen Tor mit allen Bauteilen, Holzstärken, Maßen und Inschriften waren Fachwerkgrößen, Dachneigung sowie die konstruktive Durchbildung von Knotenpunkten zur Lastverteilung an diesem ausgerichtet.

Die durchfahrbare Längstenne mit den beiden Giebeltoren ermöglichte die gerade Einfahrt beladener Fahrzeuge von zwei Giebelseiten. Mit diesem Verfahren war zugleich eine höhere Auslastung der Gespanne und Fahrzeuge verbunden. Das Einbringen von Getreide, aber vor allen Dingen von Heu, ließ sich damit im Ablauf beschleunigen.

Die mit der Forke vom beladenen Wagen aufgenommenen Garben wurden von Mann zu Mann weitergegeben, der letzte erfasste sie mit den Händen und legte sie in wechselnder Richtung lagegerecht im „Bansen“ neben der Tenne ab. Nach dem Entladen mussten die Fahrzeuge nicht mehr, wie im niederdeutschen Hallenhaus, umständlich von Hand rückwärts heraus geschoben werden, da die Gespanne auf der anderen Seite heraus fahren konnten. Höhe und Breite der Tenne entsprachen den Maßen eines breit beladenen Getreidewagens. Die Scheunen mussten gut durchlüftet sein, damit das gelagerte Getreide nachtrocknen und das Korn in Ruhe nachreifen konnte. Darüber hinaus sicherte die Durchlüftung die Keimfähigkeit des Korns. Auf der Tenne wurde das Getreide teilweise auch gedroschen.

Die Vergangenheit des Scheunenviertels

Nach wiederholten Bränden in der Ortslage von Steinhude wurden die Scheunen verschiedener Eigentümer, wie anderswo auch, als strohgedeckte Längsfahrt· Scheunen zum Schutz vor Feuer am damaligen Ortsrand errichtet. Auch das Scheunenviertel ist mehrmals Bränden zum Opfer gefallen. Der letzte bekannte historische Brand ereignete sich am 24. 11. 1756, wonach das Scheunenviertel insgesamt neu aufgebaut wurde. Ehemals lagen an dem zentralen Platz vermutlich 20 bis 25 Scheunen. Auf dem heutigen SchUtzenplatz wurde das Getreide, teilweise genossenschaftlich, gedroschen und das Heu getrocknet. Seit 1871 dient der Scheunenplatz auch als Festplatz für das Volks- und Schützenfest.

Das Scheunenviertel steht als Ensemble unter Denkmalschutz.

Die Zukunft der Vergangenheit

Scheunenviertel Panorama

Das Projekt „Revitalisierung des Scheunenviertels in Steinhude“ ist als dezentrales Exponat der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover anerkannt worden.

Das Projekt konzentrierte sich auf sieben bestehende Scheunen, die renoviert wurden, und sechs Plätze, auf denen Scheunen, drei davon ausschließlich mit historischer Materialien, errichtet worden sind.

Sie bestehen aus einem langen schmalen Raum, der ehemaligen Durchfahrt. und dem sogenannten „Saal“. Die Durchfahrt wird in der Vorder- und Rückfront durch ein torähnliches Fensterelement dargestellt. Der neben· liegende Saal ist ca. doppelt so groß und ist zur Durchfahrt offen.

Die Gebäude wurden auf Streifenfundamente mit einer darauf befindlichen Rollschicht aus Ziegelsteinen gestellt. Bei der Renovierung wurden Schwell- und z. T. Rahmenhölzer sowie Deckenbalken und Sparren erneuert. Das Fachwerk wurde bei den historischen Scheunen mit original erhaltenen Ziegelsteinen ausgemauert, erhaltene Lehmgeflechtfächer wurden wieder eingesetzt.

Die Dächer sind mit original Ton-Hohlpfannen eingedeckt. Das Regenwasser wird in Kupferdachrinnen abgeleitet und versickert auf dem Grundstück. Die Giebel von den Scheunen „Am Graben“ wurden verbrettert und einige haben unter dem First ein „Uhlenloch“ mit dahinter befindlichem Brutkasten. Die Fassadengestaltung der neuen Gebäude wurde den Originalen aus dem 18. und 19. Jahrhundert nachempfunden.

Eine typische dörfliche Anlage von Scheunen, wurde somit wiederhergestellt, allerdings nicht unter musealen Aspekten, sondern um diese für verschiedene „moderne“ Zwecke nutzen zu können.

So sind neben Gastronomie und Fachhandel in einigen der Scheunen das Naturpark-Informations-Zentrum sowie die SMT Steinhuder Meer Tourismus GmbH untergebracht.

Quelle: Text der Infotafel

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Infotafel Scheunenviertel

Infotafel

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